Kfz-Versicherung in Österreich – Worauf Sie achten sollten

Auch wenn die Kfz-Versicherung prinzipiell verpflichtend ist, müssen Sie dennoch einiges beachten und können zudem Ihren Versicherungsschutz noch verbessern.

28.05.2018

Kfz-Versicherung unterschreiben

1. Die Kfz-Versicherung als Pflichtversicherung

Die Website Statistik Austria meldete für das Jahr 2016 knapp 38.500 Verkehrsunfälle. Dies zeigt, dass die Kfz-Haftpflichtversicherung zurecht zu den Pflichtversicherungen innerhalb der EU zählt. Sobald Sie Ihren Neu- oder Gebrauchtwagen zulassen wollen, benötigen Sie eine abgeschlossene Haftpflichtversicherung für Ihr Fahrzeug. Ohne diese ist es nicht möglich, das Auto überhaupt anzumelden. Dies dient nicht nur Ihrem eigenen Schutz, sondern vor allem dem der anderen Verkehrsteilnehmer. Sollten Sie einen Unfall verursachen, ist die andere Partei durch Ihre Haftpflicht abgesichert.

Derzeit ist eine Mindestversicherungssumme von 7 Mio. Euro vorgeschrieben. Dieser Betrag wurde in den vergangenen Jahren bereits mehrfach angehoben, da aufgrund von Massenkarambolagen schnell höhere Schäden entstehen können. Die Summe teilt sich in zwei wesentliche Deckungssummen auf: 5,8 Mio. Euro decken Personenschäden und die übrigen 1,2 Mio. Euro Sachschäden ab. Es steht Ihnen selbstverständlich frei, die Versicherungssumme zu erhöhen und dadurch im Schadensfall einen noch effektiveren Schutz zu haben. Die Erhöhung ist durch geringe Beitragszuschläge möglich.

2. Die Kosten der Versicherung

Die Kosten für eine Kfz-Haftpflichtversicherung sind pauschal kaum festzulegen. Es hängt von einigen Faktoren ab, wie hoch Ihr tatsächlicher Beitrag ist. Vor allem der Versicherungsanbieter spielt eine Rolle. Die verschiedenen Anbieter unterscheiden sich in ihren Tarifen teilweise sehr deutlich und ein guter Versicherungsmakler oder hinreichende Recherche sind eine Grundvoraussetzung für einen günstigen Tarif.

Ein anderer Faktor, welcher maßgeblichen Einfluss auf die Höhe des Beitrags hat, ist die so genannte Bonus-Malus-Einstufung. Obwohl diese nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben ist, orientieren sich Versicherungstarife meist weiterhin an diesem System. Der Einstieg erfolgt bei 100 % in Stufe 9. Der Beobachtungszeitraum läuft jeweils vom 01. Oktober bis zum 30. September des Folgejahres. Wurde in dieser Zeit kein Schaden gemeldet, steigen Sie eine Stufe hoch und Ihr Versicherungsbeitrag wird günstiger. Sollten Sie einen Schaden gemeldet haben, steigen sie drei Stufen ab und Ihr Tarif wird teurer.

Eine Unfallmeldung sollte generell nicht leichtsinnig herausgegeben werden. Es empfiehlt sich stets, die entstandenen Kosten gegenzurechnen. Wird Ihr Versicherungsbeitrag durch die Schadensmeldung unverhältnismäßig steigen, kann es günstiger sein, den Schaden selbst zu begleichen – sofern dies möglich ist.

3. Welche Schäden werden übernommen und welche nicht?

Was Ihre Haftpflichtversicherung im Schadensfall übernimmt, hängt in aller Regel von Ihrer Versicherung ab. Die genauen Konditionen stehen in Ihrem Versicherungsvertrag. Die Versicherer sind jedoch verpflichtet, ein gewisses Leistungsspektrum abzudecken und können Sie im Schadensfall nicht ohne weiteres abspeisen.

Das Pflicht-Leistungsspektrum beinhaltet beispielsweise zwei wesentliche Leistungen:

  • Dazu gehört die Erstattung der durch den Unfall entstandenen Kosten. Hierbei wird in erster Linie der Unfallgegner entschädigt. Sind Sie nicht Schuld am Unfallhergang, wird Ihre Versicherung auch Ihren Schaden begleichen.
  • Schäden an anderen Fahrzeugen oder Verkehrsteilnehmern, die durch oder infolge von Drogen- und/oder Alkoholkonsum entstanden sind, werden zwar zunächst beglichen, die Versicherung wird sich jedoch das Geld von Ihnen zurückholen und sie in Regress nehmen.

Ein weiterer Fall, in welchem die Kfz-Haftpflichtversicherung eventuell entstehende Kosten zahlt, wäre eine unrechtmäßige Beschuldigung Ihrer Person vor Gericht. Entstehen Ihnen durch die Beschuldigungen des Unfallgegners Prozess- oder Anwaltskosten, werden diese ebenfalls von der Kfz-Versicherung übernommen.

4. Die Pickerlüberprüfung und Auslandsaufenthalte

Die §57a-Begutachtung oder Pickerlüberprüfung ist in Österreich Pflicht und wird in regelmäßigen Abständen vorgenommen. Welcher Abstand bei Ihrem Fahrzeug zutrifft und ob das Autopickerl erneuert werden muss, hängt vor allem vom Monat der Erstzulassung ab. Bei einem Pkw mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen gilt die 3-2-1-Regelung. So steht die erste Pickerlüberprüfung drei Jahre nach der Erstzulassung an, die nächste dann nach zwei Jahren. Ab dem fünften Jahr nach der Erstzulassung muss das Pickerl jedes Jahr erneuert werden. Es kann zu hohen Strafen kommen, wenn Sie dies vernachlässigen.

Bei einem abgelaufenen Pickerl ist nicht nur der Halter des Fahrzeugs, sondern auch der Lenker zu belangen. Sie sind selbst als Lenker in der Pflicht, das Pickerl vor Fahrtantritt zu überprüfen!

Vor Auslandsreisen sollten Sie stets Ihr Pickerl auf Gültigkeit überprüfen, auch bei Reisen in der Europäischen Union. Innerhalb Österreichs gelten Verzugsfristen bis zu sechs Monaten. Befinden Sie sich jedoch in einem anderen Staat, gelten unter Umständen deren Richtlinien für den Verzug und es kann zu hohen Strafzahlungen kommen. Achten Sie also immer darauf, dass Sie mit gültigem Pickerl fahren!

Des Weiteren sollten Sie vor Auslandsreisen eine sogenannte „grüne Karte“ bei Ihrem Versicherungsanbieter anfordern. Diese Karte bestätigt, dass Ihr Fahrzeug haftpflichtversichert ist und wird, je nach Land, bei Fahrzeugkontrollen eingefordert. Innerhalb der Europäischen Union gilt meist bereits das Kfz-Kennzeichen als Bestätigung einer vorliegenden Haftpflichtversicherung, manche Polizisten bestehen jedoch auf die „grüne Karte“. Um sich Ärger zu ersparen, bietet es sich also an, diese bei Auslandsaufenthalten mit dem Auto, auch außerhalb der EU, mitzuführen.

5. Benötigen Sie weitere Zusatzversicherungen?

Die Liste der möglichen Zusatzversicherungen ist lang. Sie reicht von Rechtsschutz- über Insassen- und Kaskoversicherungen. Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über die jeweiligen Zusatzleistungen:

Kfz-Kaskoversicherung

  • Deckt Schäden am eigenen Fahrzeug ab.
  • Teilkasko:
    Haarwildunfälle, Naturereignisse wie Hagel, Blitzschläge, Sturm, Überschwemmung etc.
  • Vollkasko:
    Teilkaskoleistungen + mutwillige Beschädigung durch Dritte, Diebstahl, Eigenverschulden eines Unfalls, Bruch von Scheiben

Kfz-Rechtsschutzversicherung

  • Schadensersatzrechtsschutz:
    Kostenübernahme der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen in Bezug auf Insassen oder das eigene Fahrzeug.
  • Strafrechtsschutz:
    Erstattung der Verfahrenskosten bei Strafverfahren gegen den Lenker, die Lenkerin.
  • Führerscheinrechtsschutz:
    Dient der Deckung der Prozesskosten bei einem Verfahren wegen Führerscheinentzugs.
  • Lenkerrechtsschutz:
    Bezahlt die Schäden, die entstanden sind, während Sie am Steuer eines anderen Fahrzeugs gesessen haben.

Kfz-Insassenversicherung

  • Eine Sonderform der Unfallversicherung:
    Sie zahlt unabhängig vom Verschulden z.B. die Behandlungskosten der Insassen, die aus dem Unfall resultieren. Der Unterschied zur herkömmlichen Unfallversicherung liegt darin, dass nur bezahlt wird, wenn der Unfall des Versicherten in einem Kfz stattgefunden hat.

Die in der Tabelle aufgeführten Leistungen entsprechen Durchschnittswerten und geben keinerlei Garantie für die tatsächliche Erstattung im Schadensfall. Die genauen Konditionen für Ihren Vertrag erhalten Sie von Ihrem Versicherungsmakler oder sehen diese selbst in Ihren Versicherungsunterlagen ein.

Ob Sie die zusätzlichen Versicherungen für nötig halten oder nicht, liegt selbstverständlich bei Ihnen und eine verbindliche Empfehlung ist hier kaum auszusprechen, da derartige Entscheidungen stets von der individuellen Situation, Erfahrungswerten und anderen Faktoren abhängen. Dieser Überblick hilft Ihnen jedoch unter Umständen dabei, eine für Sie passende Entscheidung treffen zu können.

6. Fazit

Eine Kfz-Haftpflichtversicherung ist nicht nur sinnvoll, sondern auch verpflichtend, sofern Sie Ihr Auto in einem Land innerhalb der Europäischen Union zulassen möchten. Ohne bestehenden Versicherungsschutz können Sie Ihren Pkw zudem nicht einmal anmelden! Sie schützen damit nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.

Die „Grüne Karte“ und die Überprüfung ihres Pickerls kann Ihnen außerdem im Ausland hohe Kosten ersparen. Generell sollten Sie nie ohne gültiges Pickerl fahren. Hier haften sowohl der Halter als auch der Lenker! Für Halter eines Pkw bis zu 3,5 Tonnen Gewicht gilt die 3-2-1-Regelung.

Bei Unklarheiten über Ihre Leistungen hilft Ihnen Ihr Versicherungsberater weiter oder ein Blick in Ihre Unterlagen. Die Kosten für Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung können je nach Einstufung im Bonus-Malus-System variieren und es empfiehlt sich vor einer Schadensmeldung gegenzurechnen, was am Ende günstiger für Sie ist. Ob Sie eine der genannten Zusatzversicherungen abschließen oder nicht, bleibt stets Ihnen überlassen und es gibt hierfür keine klare Empfehlung.

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