Selbstfahrende Autos: futuristischer Traum oder schon real?

Kaum ein Thema ist in Automobilkreisen so diskutiert wie das autonome Auto. Nahezu jeder große Hersteller tätigt Investitionen, um sich auf die autonome Zukunft vorzubereiten.

07.08.2018

Autonomes Fahren

Auch kalifornische Technologie-Unternehmen investieren in selbstfahrende Autos. Skeptiker sehen die Risiken in der Sicherheit, die das autonome Fahren mit sich bringt. Enthusiasten sprechen von unfallfreien Straßen in wenigen Jahren. Eines ist aber sicher: Das selbstfahrende Auto kommt. Schon heute sind auf Teststrecken in der Steiermark automatisierte Autos unterwegs. Den momentanen Stand, potentielle Risiken und einen Ausblick auf die Zukunft liefert dieser Artikel.

1. Wo fängt autonomes Fahren an?

Autos ohne Lenkrad, die den Fahrer zum Passagier machen, erscheinen heutzutage noch wie Science-Fiction. Entsprechende Prototypen existieren aber bereits in Forschungszentren. Es wird allerdings noch dauern, bis die Öffentlichkeit Zugang zu solchen Fahrzeugen erhält. Teilautonome Fahrzeuge hingegen sind schon heute alltäglich. Besonders höherpreisige, gut ausgestattete Modelle entlasten den Fahrer mit teilautonomem Fahren.

Die fünf Level des autonomen Fahrens

Automatischer Parkassistent

Die Automatisierung der Fahrzeuge ist in fünf Level aufgeteilt. Level Null beschreibt ein Auto, das komplett und dauerhaft vom Menschen kontrolliert wird. Level fünf ein Fahrzeug, das ohne menschliche Unterstützung fährt. Das zweite Level des autonomen Fahrens ist bereits heute alltäglich.

  1. Level 1: Während der Fahrer das Fahrzeug steuert, erhält er begrenzte Unterstützung. Beispiele hierfür sind Totwinkelwarnsysteme, Berganfahrhilfen oder Spurhalteassistenten.
  2. Level 2: Beim sogenannten „teilautomatisierten Fahren“ übernimmt das Auto komplette Manöver selbst. Dazu zählen zum Beispiel automatische Einparkhilfen oder Spurhalteautomatiken.
  3. Level 3: Das „hochautomatisierte Fahren“ ermöglicht es dem Fahrer, das Lenkrad loszulassen. Das Auto passt ohne Außenwirkung seine Geschwindigkeit an, nutzt Blinker und wechselt Spuren.
  4. Level 4: Hier ist das Auto vollkommen automatisiert. Der Fahrer wird aber noch benötigt, wenn das System mit einer Herausforderung nicht zurechtkommt.
  5. Level 5: Der Mensch ist überflüssig – und damit auch das Lenkrad oder die Pedale. Hier fährt das Auto vollkommen fahrerlos.

Wenn die Hersteller Recht behalten, werden österreichische Straßen schon bald von autonomen Fahrzeugen der Stufe drei befahren, die als „hochautomatisiert“ gelten. Hier übernimmt das Auto in bestimmten Situationen die Kontrolle. Doch Vorsicht: Der Spurhalteassistent etwa dient dem Menschen zur Unterstützung. Er bietet keinen vollwertigen Ersatz für die notwendige Aufmerksamkeit des Fahrers.

2. Probleme mit autonom fahrenden Fahrzeugen

Die Bilanz autonomer Fahrzeuge auf Teststrecken ist bereits sehr gut und auch die momentan verbreiteten Assistenten gelten als sicher. Doch Teststrecken sind nicht der Verkehr, in dem Millionen Österreicher jeden Tag zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Sport fahren. Hier wird das Ersetzen menschlicher Sinne durch Sensoren kompliziert. Wenn die Sensoren zum Beispiel ein unmittelbares Unfallrisiko erkennen, weichen sie dem anderen Fahrzeug aus. Doch was, wenn gleichzeitig auf der anderen Straßenseite plötzlich ein Kind auf die Straße läuft?

Ein Mensch kann in kürzester Zeit eine Entscheidung treffen. Ein Computer benötigt für jeden Fall eine entsprechende Programmierung. Fehlentscheidungen sind hier im schlimmsten Fall tödlich. Diese Fragen liegen aber noch in ferner Zukunft. Während Forscher und Ingenieure weiter an der Entwicklung innovativer Lösungen und Technologien arbeiten, sind bereits einige massentaugliche, teilautonome Modelle auf dem Markt.

3. Was bieten die einzelnen Hersteller?

Weltweit haben Autobauer Milliarden in das Zukunftsprojekt „autonomes Fahren“ investiert. Die bisherigen Ergebnisse sind sehr eindrucksvoll. Im Folgenden eine Aufstellung der Automatisierung verschiedener Hersteller:

Mercedes-Benz

Mercedes-Benz verspricht mit dem sogenannten „Intelligent Drive“-Paket mehr Fahrkomfort und erhöhte Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer. Folgende Funktionen bietet der deutsche Autohersteller seinen Kunden:

  • Eine automatische Abstandsregelung, die vorausfahrende Autos, Fahrbahnmarkierungen und die Umgebung analysiert. Ziel ist es, Auffahrunfälle zu vermeiden und dem Fahrer das ständige Bremsen und Anfahren abzunehmen.
  • Ein autonomer Bremsassistent erkennt Fahrzeuge und führt im unmittelbaren Notfall ohne Zutun des Fahrers eine Gefahrenbremsung aus.
  • Der Ausweich-Assistent ermöglicht das Ausweichen vor Fußgängern. Das System erkennt den Fußgänger und unterstützt das Ausweichmanöver so, dass der Fußgänger sicher umfahren wird.
  • Andere Fahrassistenten beinhalten eine Spurhalteautomatik, ein Totwinkel-Warnsystem und ein System, das vor Auffahrunfällen durch den Folgeverkehr schützt.

Im Hause Mercedes-Benz geht der Weg in Richtung Zukunft aber noch weiter: So fuhr zum Beispiel das Forschungsmodell F 015 bei der Consumer Electronics Show 2015 vollautomatisch und ohne Lenkrad.

BMW

BMW verdoppelte 2018 seine Testfahrzeuge im deutschen Bayern und testet 80 selbstfahrende Autos im Münchner Straßenverkehr, natürlich mit Fahrer zur Kontrolle. Doch auch heute warten die Bayern schon mit massentauglichen Assistenten auf – insbesondere mit dem System „Driving Assistant Plus“. Zum Großteil handelt es sich um ähnliche Systeme wie die von Mercedes. Trotzdem sind einige besonders:

  • Ein Spurwechselassistent vereinfacht das Manöver bei hohem Risikopotential.
  • Sensoren erkennen automatisch Geschwindigkeitsbegrenzungen und andere Verkehrsschilder und weisen den Fahrer darauf hin.

Tesla

Wirklich futuristisch wird es beim Elektroauto-Pionier Tesla. Das US-amerikanische Unternehmen produziert seine Autos mit Autopilot, der dem Fahrer das Fahren des Autos komplett abnimmt. Tesla ist bisher der einzige Hersteller, der seinen Autopiloten bereits für die Massen verfügbar gemacht hat. Der Autopilot nimmt dem Besitzer einiges mehr ab als die Assistenten anderer Hersteller:

  • Mit der „Herbeirufen“-Funktion fährt der Wagen automatisch vor. So steigt der Fahrer bequem ein. Dies funktioniert laut Hersteller auch in komplizierten Umgebungen wie auf Parkplätzen.
  • Auf der Autobahn wählt der Tesla seine Spur selbst und bremst vor Abfahrten automatisch ab, um den Fahrer das Manöver durchführen zu lassen. Auf Wunsch fährt das Auto auch autonom von der Autobahn ab.
  • Auch das Einparken übernimmt der Autopilot, sobald der Fahrer eine Parklücke ausgesucht hat.
  • Während andere Assistenten hauptsächlich auf der Autobahn oder in sehr vorhersehbaren Umgebungen funktionieren, navigiert Teslas System auch im Stadtverkehr vollautomatisch ohne Eingreifen des Fahrers.

Google und Ford

Auf der anderen Seite der Welle des autonomen Fahrens stehen Technologie-Unternehmen wie Google und Uber. Während die Automobilhersteller das Fahren vereinfachen wollen, konzentrieren sich die Firmen aus dem Silicon Valley auf den Taxi-Markt. Die Idee: Mit fahrerlosen Taxis die Beförderungsindustrie neu zu erfinden – und vor allem Personalkosten zu sparen.

Auch andere Hersteller möchten den Markt der selbstfahrenden Autos erobern. So plant etwa Ford, bereits im Jahre 2021 die ersten vollautomatischen Wagen vom Band rollen zu lassen. Im US-Bundesstaat Kalifornien fahren die vollkommen autonomen Wagen nach einem Gerichtsbeschluss sogar schon auf den Straßen der Großstädte.

4. Wer haftet, wenn das Auto in einen Unfall verwickelt wird?

Verkehrssituation beim autonomen Fahren

Spätestens seit dem tödlichen Unfall eines Roboterautos von Uber kommen immer mehr ethische und rechtliche Fragen hinsichtlich des autonomen Fahrens auf. Während bei einem Robotertaxi klar ist, dass das Unternehmen die Schuld trägt, wird die Schuldfrage bei Privatfahrzeugen schwieriger zu klären sein.

In Österreich ist die Rechtslage vorerst ungeklärt. Sobald vollkommen autonome Autos hierzulande fahren wird sich herausstellen, wer zukünftig für Unfälle in Haftung genommen wird.

Das Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr besagt, dass jeder Fahrer jederzeit die Kontrolle über sein Fahrzeug haben muss. Der Fahrer muss das System überwachen und im Notfall eingreifen.

5. Fazit: Autonomes Fahren bleibt spannend

Während viele unterschiedliche Meinungen und Vorhersagen kursieren, scheint nur eines sicher: Ganz oder teilweise selbstfahrende Autos werden die Straßen der Zukunft zunehmend prägen. Auch fahrerlose Autos werden mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später in Österreich unterwegs sein. Das hat weitreichende Folgen: Wenn Jobs in der Transport- und Beförderungsindustrie an die Automatisierung der Kraftfahrzeuge verloren gehen, beeinflusst dies die gesamte Gesellschaft.

Auf der anderen Seite bietet das autonome Fahren zahlreiche Vorteile: Die Anzahl an Unfällen, die fast ausschließlich durch menschliche Fehler herbeigeführt werden, lässt sich enorm reduzieren. Vorausgesetzt das Auto ist entsprechend programmiert und erfüllt alle technischen Anforderungen. Zudem bietet das autonome Fahren einen hohen Komfort: Es bringt den Fahrer einfach und sicher ans Ziel. Während der Fahrt bleibt ihm mehr Zeit, sich um wichtige Dinge zu kümmern wie etwa E-Mails schreiben oder telefonieren. Dies ist besonders für Pendler attraktiv.

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